Butzbach (rwi) - Das Gelände der ehemaligen Firma Tröster gegenüber dem Bahnhof Butzbach war am Dienstagnachmittag das Einsatzziel vieler Feuerwehrleute. Nach ersten Ermittlungen der Polizei haben vermutlich mehrere Jugendliche den Großbrand im früheren Verwaltungsgebäude, das seit einigen Jahren leer steht, verursacht. Ein Pssant hat entsprechende Beobachtungen gemacht. Deshalb bittet die Polizei in Butzbach, Tel.: 06033/99110, auch um Hinweise.
Um 17.07 Uhr ging bei der Zentralen Leitstelle Wetterau in Friedberg die Meldung ein, dass dicke Rauchwolken aus dem dreigeschossigen Gebäude aufsteigen würden. Daraufhin wurden die Freiwilligen Feuerwehr der Kernstadt sowie der Stadtteile Griedel, Nieder-Weisel, Pohl-Göns und Kirch-Göns alarmiert. Beim Eintreffen der ersten Einheiten der Kernstadt stand das Gebäude bereits im Vollbrand. Aus vielen Fenstern im 1. und 2. Obergeschoss des etwa 60 Meter langen und 15 Meter breiten Hauses schlugen Flammen. Auf Grund der großen räumlichen Ausdehnung wurde zusätzlich zur Butzbacher Drehleiter auch die Drehleiter aus Bad Nauheim und später noch das Leiterfahrzeug aus Lich angefordert. Zu diesem Zeitpunkt war die schwarze Rauchsäule bis Bad Nauheim und Pohl-Göns zu sehen und wies den anrückenden Feuerwehrleuten den Weg.
Zunächst bekämpften fünf Trupps im Innenangriff und mehrere von außen und über die Drehleitern den Brand. Die Räumlichkeiten werden zwar seit Jahren nicht mehr genutzt, jedoch konnte sich der Brand durch Büromöbel und Holzfußböden weiter ausbreiten. Wohnhäuser und Gebäude anderer Firmen stehen nicht in unmittelbarer Nähe und waren nicht gefährdet. Der Feuerwehr gelang es durch eine Riegelstellung den im Norden durch einen Übergang anhängenden Gebäudeteil zu halten. Auch der Zugverkehr der Main-Weser-Bahn wurde nicht beeinträchtigt. Vorsorglich wies die Polizei über Lautsprecher die Bewohner der benachbarten Wohngebiete darauf hin, die Fenster zu schließen. Auch wurden entsprechende Rundfunkdurchsagen veranlasst.
Während der Brandbekämpfung bemerkte die Einsatzleitung um Butzbachs Stadtbrandinspektor Dieter Winter, dass sich die Außenwand zur Straße hin im Dachbereich stark nach außen geneigt hatte. Dadurch bestand Einsturzgefahr und die im Inneren eingesetzten Atemschutztrupps mussten aus Sicherheitsgründen sofort das Gebäude verlassen. Um den Brand von außen sicher löschen zu können, wurde beschlossen das Gebäude durch die Fenster vollständig mit Schaum zu fluten. Ein Abrollbehälter mit mehreren Tausend Litern Schaummittel wurde aus Bad Vilbel zur Einsatzstelle beordert.
Das Fluten mit Leichtschaum über die Drehleitern von Lich, Bad Nauheim und Butzbach brachte den erhofften Erfolg. Aus allen Ritzen quoll der Schaum und die Flammen erstickten. Mit der Wärmebildkamera der Feuerwehr Friedberg wurde das Gebäude dann noch von außen auf versteckte Brandnester abgesucht.
Kreisbrandinspektor Otfried Hartmann, sein Vertreter Michael Kinnel und der Kreisfeuerwehrarzt Dr. Klaus Ratthey waren bereits kurz nach der Alarmierung an der Einsatzstelle. Auch Butzbachs Bürgermeister Michael Merle und die Feuerwehrsachbearbeiterin Nicole Klingenhöfer machten sich vor Ort ein Bild von der Lage und der Arbeit der Feuerwehr.
Die ersten Feuerwehrleute konnten gegen 19.45 Uhr die Einsatzstelle verlassen. Einsatzende war um 1.25 Uhr. Die notwendigste Pflege und Wartung der Gerätschaften dauerte im Feuerwehrhaus Butzbach bis etwa 3 Uhr und nahm noch den ganzen Mittwoch in Anspruch.
Im Einsatz waren etwa 125 Feuerwehrleute aus Butzbach, Griedel, Nieder-Weisel, Pohl-Göns, Kirch-Göns, Bad Nauheim, Lich, Bad Vilbel und Echzell mit 26 Fahrzeugen. Über 30 Atemschutzgeräte wurden verwendet. Ein junger Feuerwehrmann verletzte sich glücklicherweise nur leicht durch eingeatmete Rauchgase. Er wurde an der Einsatzstelle durch den Rettungsdienst behandelt. Mehrere Streifen der Polizei sperrten die Einsatzstelle ab und hielten damit Schaulustige fern.
Das Gelände der ehemaligen Firma Tröster ist der Feuerwehr Butzbach nicht fremd. Seit Jahren kommt es immer wieder zu Bränden in den leer stehenden Gebäuden; in der Woche vor dem Hessentag mehrfach. Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Eine große Halle wurde niedergerissen. Der Bauschutt liegt noch. Der Zutritt zu den Gebäuden ist relativ leicht möglich. Das Gelände ist nicht gesichert, Tore stehen offen und Zaunelemente fehlen. Das ganze Areal gleicht einem riesigen "Abenteuerspielplatz". Von einem Mitglied der Familie Tröster und anderen Personen vor Ort war zu hören, dass der vom Amtsgericht eingesetzte Insolvenzverwalter zwar seit langer Zeit über die Lage informiert sei, sich aber nicht um Abhilfe kümmere. Wäre die Lage anders, wäre es wahrscheinlich nicht zu diesem Großbrand gekommen. Die Kosten für den Einsatz der Feuerwehr trägt die Stadt Butzbach und somit jeder Steuerzahler.
Bilder: Jürgen Gerum / Rüdiger Schimpf |