Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr erfolgte, wie man das häufig bei ähnlichen Gründungen feststellen kann, nicht ohne heftige Geburtswehen. Aus den alten Akten unseres Gemeindearchivs geht hervor, daß eine freiwillige Wehr schon im Jahre 1892 hier bestand, deren Satzungen unter dem 7.September 1892 vom Großherzoglichen Kreisamt genehmigt wurde. Aber die junge Vereinigung erwies sich nicht von Dauer. Bereits im Januar 1893 löste sie sich auf.
Schon sehr bald aber trat ein schicksalschweres Ereignis ein, das allerdings ein glückliche Wendung für die gute Sache im Gefolge hatte, nämlich der große Brand in der Hintergasse vom 18.Juni des gleichen Jahres 1893. Angesichts dieses Brandes mag man sich in der Gemeinde nun ernstlich darauf besonnen haben, welche große Bedeutung eine freiwillige Wehr für Sicherheit einer Gemeinde besitzt.
Die Gründer der Freiwilligen Feuerwehr

stehend von links: Joh. Heinrich Hildebrand,Jakob Krausgrill VIII., Georg Bill II., Philipp Feiling
sitzend von links: Ambrosius Jakob Bill, Konrad Krausgrill VIII.
Die Aufnahme entstand 1953
Am 28. Dezember 1893 fand nun die endgültige Gründung der Freiwilligen Feuerwehr statt. Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Hauptmann: Johannes Haub VIII., 2. Hauptmann: Hch. Jakob Haub, Zeugwart: Jakob Feiling, Rechner:Johannes Bill IV. Vorstände: Jakob Häuser XII., Georg Bill, Reinhard Krausgrill, Georg Reuter und Ludwig Hahn.
So war das gute Werk gelungen. Beim Ausbruch des nächtlichen Brandes in der Amtsscheune am 30. Januar 1895, gerade als der Stiftungstag der Wehr sich seinem Ende zuneigte, legte die Wehr ihre Feuerprobe ab.
In größter Bewährung standen aber die wackeren Wehrmänner bei dem Großbrand des Jahres 1903 unter Ludwig Hahn, der seit 1897 die Leitung der Wehr übernommen hatte. Sie ernteten für ihren aufopferungsvollen Einsatz öffentliches Lob.
Im Jahre 1905 trat wieder ein Wechsel in der Führung ein. Johannes Haub übernahm erneut das Kommando, ihm zur Seite stand Kd. Matthäus. Ludwig Hahn führte die Ordnungsmannschaft. So haben sich immer wieder Männer gefunden, die uneigennützig der edlen Sache ihre Kräfte zur Verfügung stellten, und so ist es geblieben bis zum heutigen Tag.
Der Weltkrieg von 1914 - 1918 bereitete der Tätigkeit der Wehr ein Ende. Die Mehrzahl der Mitglieder zog in eine wahnsinnigen Krieg. Viele Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Weisel mußten die Teilnahme an diesem Krieg mit ihrem Leben bezahlen.
Erst drei Jahre nach Beendigung des 1. Weltkrieges nahm die Wehr ihre Arbeit wieder auf. Die alten Vorstände traten von ihren Ämtern, die sie lang Jahre in treuer Pflichterfüllung getragen hatten, zurück, und neue Männer, an der Spitze Peter Häuser I. traten an ihre Stelle.
Das Jahr 1933 brachte große politische Veränderungen für die Wehr. Die Feuerwehr wurde zur "Feuerschutzpolizei" und man führte auf Weisung der Reichsregierung den "deutschen Gruß" ein.
Die Eintragungen in der Vereinschronik enden mit dem Jahre 1937. Aufgrund mündlicher Überlieferungen von Zeitzeugen ist jedoch bekannt, daß die Feuerwehr in der Zeit des 2. Weltkrieges viele Einsätze leistete, unter anderem nach Bombenangriffen in Frankfurt / Main.
Am Ende dieses verheerenden Krieges machten sich in beispielloser Weise die in der Heimat verbliebene und nach und nach heimkehrende Männer - neben den täglichen großen Problemen des Wiederaufbaues und der Schaffung einer eigenen beruflichen Existenz - an den Wiederaufbau einer starken und einsatzfähigen Freiwilligen Feuerwehr.
Am 28.August 1952 wurde die neue Sirene eingeweiht, des weiteren verzeichnete die Wehr in diesem Jahr einen Zugang von 33 neuen Mitgliedern.
Nun ist der Ehrentag der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Weisel herbeigekommen. 60 Jahre des Bestehens bedeuten viel im Dienst der Wehr und der Gemeinde. Ein neues schönes Banner, geschmückt mit dem neuen Ortswappen, leuchtet nun der Wehr voran. Möge der Wahlspruch, den die Fahne trägt, stets als tragendes Symbol geachtet und befolgt werden: "Gott zur Ehr´dem Nächsten zur Wehr!" Vom 6. - 8. Juni 1953 feierte die Feuerwehr bei strahlendem Sommerwetter unter großer Beteiligung der Bevölkerung ihr 60jähriges Jubiläumsfest.
Die Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Weisel

Es sei an dieser Stelle erwähnt, daß die Gemeinde Nieder-Weisel in der Zeit zwischen 1947 und der Eingemeindung zur Stadt Butzbach 1970 die Feuerwehr nach Kräften unterstützt hat. Gerade in den sechziger Jahren hat man Anschaffungen getätigt, die beispielhaft waren. Neben der Anschaffung eines LF 8 (1960) wurden bereits 1965 die ersten beiden Pressluftatemgeräte angeschafft. Die Anforderungen der Zeit waren in Nieder-Weisel durchaus erkannt worden.
Neben diesen dienstlichen Dingen wurden auch unterhaltsame Veranstaltungen durchgeführt. Vereinsausflüge, der Maientanz und Theateraufführungen. Seit 1980 wird auch in jedem Jahr ein Grillfest durchgeführt. Diese beginnt jedes Jahr am 30.04. mit traditionellem Maibaum stellen auf dem Marktplatz. Im Anschluß findet das Fest mit der gesamten Bevölkerung im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Weisel statt.
Vom 18. - 21. Juni 1993 war es soweit, die Feuerwehr feierte ihr 100jähriges Bestehen. Dieses wurde auch wieder unter großer Beteiligung der Bevölkerung ein strahlendes Fest. Am Sonntag zum Festumzug durch Nieder-Weisel, waren außer den einheimischen Vereinen auch viele Feuerwehren aus dem Wetteraukreis da.
Am 25.03.1994 war die Feuerwehr Nieder-Weisel Ausrichter der Generalversammlung der Butzbacher Wehren. Im Oktober veranstaltete die Feuerwehr ein Discoabend, der bei der Jugend großen Anklang fand.
Wie jedes Jahr, also auch in diesem wurde im Dezember die Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Weisel in der Mehrzweckhalle durchgeführt.
Vom 15. - 17.September 1995 fuhr die Wehr nach Leipzig, wo Sie unter großer Begeisterung die Berufsfeuerwehr Leipzig besuchte.
Im Jahre 1997 gab es neben den sich jedes Jahr wiederholenden Terminen, viele Höhepunkte für die Wehr. Es begann mit dem Ausflug an den Biggesee, die Kirmes zusammen mit dem Gesangsverein Liederkranz, der Sternfahrt mit dem alten TLF in Montabaur, Besuch der Flughafenfeuerwehr, Besuch der Wehr in Storndorf am Tag der offenen Tür und die Weihnachtsfeier des Vereines.
Am 06.06.1998 beteiligte sich die Wehr an einer Großübung am Schulfest der Grundschule Nieder-Weisel, wo es im Anschluß Essen aus der Gulaschkanone gab. Der Erlös aus dieser Veranstaltung ging an die Schule.
In der Zeit vom 26. - 28.Juni 1998 unternahm die Wehr eine Fahrt in die sächsische Schweiz nach Dresden. Wieder ein gelungener Höhepunkt in der Geschichte des Vereins.
1999 wurde aus Vereinsmitteln und einer Spendenaktion ein gebrauchtes TLF gekauft. Auch hier, an dieser Stelle, nochmals ein Dankeschön an alle Spender.
Der Verein zählt heute 395 Mitglieder, die sich wie folgt zusammensetzen: 273 passive Mitglieder, 37 aktive Mitglieder, 60 Ehrenmitglieder und 25 Mitglieder der Jugendfeuerwehr.
Im Jahr 2008 wurde der Verein in einen Eingetragenen Verein umgewandelt, somit trägt der Verein seit dem 29.12.2008 den Namen Freiwillige Feuerwehr Nieder-Weisel e.V. .
Am 14.03.2009 war der Gründungstag der „Flammbinis“. Die Kleinsten der Feuerwehr sind im Alter zwischen 7 und 10 Jahren.
Ehren- und Altersabteilung wurde ebenfalls im Jahre 2009 gegründet.